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Hallo zusammen,

ich war jetzt viele Monate aus dieser Liste ausgetragen, habe nur sporadisch per GMANE mitglesen. Michael hat meine Mail, die ich auch im TDF-Blog gepostet habe, hier zitiert, und deswegen möchte ich die Gelegenheit nutzen, dem Wunsch nach einer deutschen Übersetzung nachzukommen.
Wer die Mail im Wortlaut lesen will, findet sie auch auf 
http://blog.documentfoundation.org/2011/05/25/why-tdf-should-be-the-place-for-one-united-community/ 
Im Zweifel zieht bitte diese Version für den Wortlaut heran, da die 
deutsche Übersetzung in der Kürze der Zeit unter Umständen nicht ganz 
exakt sein kann.
Louis hatte mich bei einer Mail auf der internationalen Marketing-Liste 
ins Cc genommen, daher bin ich überhaupt erst auf diese Diskussion 
aufmerksam geworden. Ich wollte möglichst neutral -- hoffend, dass mir 
dies gelungen ist -- auf einige Punkte aufmerksam machen. Hier nun also 
die Übersetzung:
Als jemand, der bekannterweise für die TDF spricht, aber auch als 
jemand, dem die Community ganz persönlich am Herzen liegt, möchte ich 
ein paar Worte zur aktuellen Situation verlieren.
In der Tat sehe ich die aktuelle Situation als eine ideale Basis, Dinge 
wieder zu vereinen. Die Zersplitterung, in der die Community derzeit 
ist, hilft niemandem. Falls jemand denken sollte, dass wir, die TDF, nun 
glücklich sind und durch die aktuelle Situation Genugtuung empfinden, 
dann irrt er gewaltig. Auch wenn wir leider damit gerechnet haben, dass 
genau das passieren würde, was nun passiert ist, war unser Anliegen 
immer, das Projekt davor zu bewahren, nicht aus einer solchen Situation 
Profit zu schlagen.
Wir haben alle das gleiche Ziel: eine freie Office-Suite, verfügbar für 
jedermann. Lasst uns daher nicht über die Vergangenheit sprechen, über 
das was passiert ist, und über die Gründe, die damals zu unserem Schritt 
geführt haben, sondern lasst unseren Blick gen Zukunft wandern.
Ich möchte nochmals ganz offen unsere Einladung an jedermann 
aussprechen, der Document Foundation und der LibreOffice-Community 
beizutreten. Warum denke ich, dass dies der richtige Ort ist, unsere 
Arbeit fortzusetzen?
Im gestrigen Blogposting haben wir einige Dinge zusammengefasst, wo wir 
derzeit stehen, und die Lektüre dessen hilft dabei, die aktuelle 
Situation bei der TDF zu verstehen:
http://blog.documentfoundation.org/2011/05/24/updates-on-the-foundation/
(leider nur in Englisch, bei Bedarf kann ich aber gerne eine deutsche Übersetzung anfertigen)
1. Wir sind herstellerunabhängig. Es tut mir leid, dass ich insofern 
Louis nicht zustimmen kann, der behauptet, wir seien lediglich der 
"Proxy" von Microsoft -- nichts ist weiter von der Wahrheit entfernt als 
eine solche Behauptung. Ich muss zugeben, dass mich solche 
Anschuldigungen auch ganz persönlich berühren, arbeite ich doch mehrere 
Stunden pro Tag rein ehrenamtlich, und wenn mir jemand zeigen kann, mit 
welcher meiner Tätigkeiten ich als "Proxy" für Microsoft fungiere, dann 
bin ich sehr gerne gewillt, dieses zu hören. Andernfalls bitte ich 
darum, ein für alle Mal mit diesen falschen Behauptungen aufzuhören -- 
denn genau das sind sie: falsch.
2. Wir haben eine starke juristische Absicherung, nicht nur durch den 
"Freies Office Deutschland e.V.", sondern auch durch "Software in the 
Public Interest" (SPI), und gleichzeitig sind wir auf dem Weg, die 
Stiftung auch als juristische Person zu gründen. Bereits jetzt haben wir 
alles, was nötig ist, um als juristische Person aufzutreten, 
Rechtsangelegenheiten zu führen, Gelder einzusammeln und auszugeben. Wir 
können bereits jetzt Marken und Rechtsgüter verwalten -- und wir tun 
dies bereits.
3. Wir haben eine unabhängige Infrastruktur die funktioniert, und nicht 
durch eine einzelne Organisation kontrolliert wird oder von ihr abhängt. 
Zusätzlich setzen wir auf kein festes Web-Framework, sodass wir sehr 
flexibel sind in dem, was wir tun.
4. Wir haben nicht nur viel Zuspruch erfahren und eine Bewegung 
ausgelöst, sondern blicken mittlerweile auf eine Entwicklergemeinschaft 
von 200 Freiwilligen, wovon 40 sehr regelmäßig ihre Beiträge leisten. 
Selbstverständlich, Firmen, die uns durch bezahlte Entwickler 
unterstützen, sind uns herzlich willkommen und helfen ungemein -- aber 
mittlerweile sind wir in der Lage, falls die Situation eintreten sollte, 
dass es ohne sie gehen muss, das Projekt dennoch weiterbetreiben 
könnten. Das ist etwas, das wir in zehn Jahren OpenOffice.org nicht 
geschafft haben.
Als ich das Oracle-Announcement vom April zum ersten Mal gelesen habe, 
kam mir ein Gedanke, der auch heute stets präsent ist: "Das ist doch 
genau das, was die TDF macht". Ich habe von Vorschlägen gehört, eine 
andere Stiftung oder Organisation auszugründen, oder mit einer anderen 
Stiftung, die nicht TDF ist, zusammenzuarbeiten. Offen gestanden, das 
klingt für mich nicht sehr sinnvoll. Es würde wieder zu einer 
Zersplitterung der Community führen, viel Schweiß und Arbeit bedeuten, 
und für erneute Verwirrung am Markt und bei den Endanwendern sorgen.
Warum also das Rad neu erfinden? OpenOffice.org ist in vielen seiner 
Prozesse sehr speziell. Das Projekt unter dem Dach einer anderen Stitung 
fortzuführen würde bedeuten, zahlreiche Änderungen in der Organisation 
und den Prozessen einzuarbeiten. TDF hat von Anfang an darauf geachtet, 
als neue Organisation diejenigen Prozesse aufzugreifen und zu 
verbessern, die genau für dieses Projekt funktionieren, und diejenigen 
aufzugeben, die uns das Leben nur unnötig schwer machen -- ist das nicht 
die ideale Basis, um darauf aufzubauen? Lasst uns nicht Energie damit 
verschwenden, schon wieder unter dem Dach einer anderen Organisation zu 
arbeiten, sondern lasst uns zusammenarbeiten, gemeinsam die Zukunft 
unseres Projektes fortzuschreiben und zu gestalten.
Ich behaupte gar nicht, dass die TDF alles richtig macht und immer Recht 
hat. Wir geben unser Bestes, und ich denke, wir machen einen guten Job. 
Ich habe Kritik gelesen, der TDF würde es an Unterstützung großer Firmen 
fehlen, und dass dadurch der gesamte Markt aufs Spiel gesetzt wird. Auch 
das halte ich für eine grundfalsche Annahme. Natürlich würden wir gerne 
viel mehr Unterstützung von Firmen haben, aber das aufzubauen, kostet 
viel Zeit und benötigt einiges an Vertrauen, und die Unterstützung für 
TDF wächst Tag für Tag. Wenn jemand denkt, er kann nur durch die 
Gründung einer Stiftung und durch ein paar Telefonate Unterstützung der 
großen Firmen bekommen, dann muss ich leider sagen, dass das eine 
Illusion ist. And macht es denn wirklich Sinn, dass sich in der Zukunft 
gleich zwei Stiftungen bzw. Organisationen daran versuchen sollen? Wäre 
es nicht viel besser, gemeinsam, mit einer Stimme, an einer gemeinsamen 
Idee, einem gemeinsamen Plan zu arbeiten?
Als ich letzten Oktober von meinen Posten im OpenOffice.org-Projekt 
zurückgetreten bin 
(http://www.mail-archive.com/dev@marketing.openoffice.org/msg11691.html), da 
habe ich gesagt, dass ich mich darauf freue, bald nochmal zu reden, wie 
wir wieder zusammenarbeiten können. Ich habe das Gefühl, der richtige 
Zeitpunkt dazu ist jetzt gekommen.
Was mich wirklich interessieren würde -- und diese Frage ist nicht 
rhetorisch gemeint -- ist, was das OpenOffice.org-Projekt davon abhält, 
gemeinsam mit der TDF zu arbeiten, sich zu vereinigen, und im 
LibreOffice-Projekt die Zukunft unserer freien Office-Suite zu 
gestalten. Gibt es wirklich Gründe, das nicht zu tun? Lasst uns 
vergessen, was in der Vergangenheit passiert ist, welche Worte gefallen 
sind, denn das Stochern in dem, was war, bringt uns nicht vorwärts.
Welche Gründe gibt es, nicht gemeinsam zu arbeiten, als eine Community, 
unter einem Dach?
Ich meine das absolut ernst. Ich sage niemandem, "nimm TDF wie es ist", 
sondern ich bin ganz persönlich offen für jede Form von Rückmeldung und 
gerechtfertigter, konstruktiver Kritik. Ich bin bereit, dass alles 
öffentlich hinterfragt und diskutiert wird, was zweifelhaft ist. Ich 
erlaube mir aber auch, Kritik die unberechtigt ist, deutlich zurückzuweisen.
TDF ist da, TDF ist offen für jedermann, und für mich und viele andere 
ist es die ideale Heimat für eine gemeinsame, wiedervereinigte 
Community. Die Entscheidung hierüber bedarf keines Anführers, keiner 
Firma, sondern sie liegt ganz allein bei euch -- bei jedem von euch.
Unsere Zukunft kann absolut fantastisch werden. Wir müssen sie nur 
gemeinsam angehen.
Florian

--
Florian Effenberger <floeff@documentfoundation.org>
Steering Committee and Founding Member of The Document Foundation
Tel: +49 8341 99660880 | Mobile: +49 151 14424108
Skype: floeff | Twitter/Identi.ca: @floeff

--
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