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Hallo in die Runde


mich haben mdst. zwei emails aus der discuss-Serie erreicht, die zwischen den Zeilen wohl zeigen, 
dass es da ein paar (mehr) Unstimmigkeiten gibt zwischen TDF und möglicherweise Collabora oder .... 
Zu Details will ich mich weder äußern noch habe ich keine Informationen.


Aber:


Ich möchte etwas ~~~philosophieren~~~ über Open und Close Source, Verteilung von Zuständigkeiten 
und Vertragsbeziehungen, Verantwortlichkeiten etc.


Mitte der 1980-er. Richard Stallman gebührt der Friedensnobellpreis oder etwas Vergleichbares. 
Hätte er damals nicht mit GNU - Not Unix und GPL, General! angefangen, dann hätte es vielleicht ein 
anderer gemacht ... aber damit ist zu einer Zeit, in der massiv Tech-Konzerne sich gebildet haben 
(MS-DOS, etc. pp) und absehbar war, das ein Betriebssystem wie UNIX auch auf Microcontrollern 
relevant werden könnte, die Macht der Software in privater Hand mdst. angestochen worden. Sonst 
wäre Software heute überall closed, keiner weiß was da passiert, wir wären alle an den Bändern von 
Marionettenpuppen - müssen genau das machen was die Tech-Konzerne wollen. Teils ist es ja so.


Dies als generelles Statement. Von der Sinnhaftigkeit von Open Source war ich schon immer 
überzeugt, seit ich dies kenne.


Ich habe selbst so etwa in den 2000-Anfangsjahren, zu einer Zeit als ich Transrapid-Software 
gearbeitet habe, bei der es in der Luft lag, dass Chinesen die gesamte Entwicklung in die Hand 
nehmen (Die Teststrecke im Emsland war noch sehr aktiv, Hamburg-Berlin war zwar gecancelt, aber die 
kleine Lösung Flughafen München war immerhin auch hier im Gespräch, noch) .... über open und closed 
Software nachgedacht - das wir beides brauchen. Eben darum. Offiziell im Kommerz wurde OpenSource 
noch weitestgehend abgelehnt, oder beäugt. Step by step wurde bekannt, dass 
Sicherheits/Verschlüsselungs-Algorithmen als OpenSource besser sind, da man sie selbst anschauen, 
mathematisch begutachten kann, die Schlüssel selbst sind geheim zu halten, aber nicht der 
Algorithmus wie die Verschlüsselung funktioniert. Es kann sein, dass dies genau das Eingangstor zur 
Akzeptanz von Open Source im Kommerz war.


Was oft in der Luft lag und liegt: Open source wäre deshalb Open Source, weil man es einfach so 
offen ohne Bezahlung nutzen kann. Also die Nicht-Bezahlung im Vordergrund. Das hat sich zum Glück 
etwas gewandelt, denn auch bei Closed Source gibt es unbezahlte Versionen oder preiswerte Versionen 
(Students ...). Und andererseits- bei OpenSource gibt es eine Bereitschaft zur "Donation". Das ist 
alles gut so. So lang eine Software, die mir gefällt, und die ich gelegentlich gern nutze, im 
Preisverhältnis eines guten Fachbuches ist, also 20..50€, dann ist das gut so. Und eine Software, 
die mich interessiert (wie funktioniert die...) die ich aber de facto nicht wirklich nutze, darf 
auch für 0 € testbar sein.


Wenn jemand kommerziell Open Source nutzt, er oder auch sie braucht es zum Arbeiten, es muss 
funktionieren, Erweiterungen sind nötig, Nachweis der Richtigkeit (Rechnungen ....) ist nötig, dann 
braucht diese(r) jenige eine offizielle Betreuung, die Garantien übernimmt. Es wäre schade wenn 
dann nur die üblichen Closed Source Lösungen in Frage kommen. Das ist freilich gegen Bezahlung, 
Wartungsvertrag, schnelle Hilfe bei Problemen, Erweiterungen bereitstellen, Audits durchführen ... 
usw. usf.


Damit haben wir ZWEI Schienen. Die nur-Hobby Open source, möglichst kostenlos, und die kommerziell 
eingesetzte OpenSource. Selbstverständlich nicht kostenlos. Bezahlt wird aber nicht die OpenSource 
selbst, sondern die Wartung, Erweiterungen etc. pp.


Dann ergibt sich die Frage: Sind die Erweiterungen auch Open, oder dann Closed. Richard Stallman 
war für NUR OPEN, daher die General Public License, das wurde aber immer wieder aufgeweicht. Ich 
hatte während meiner Berufstätigkeit die Tendenz viel selbst zu machen und auf meiner Webseite das 
als OpenSource dahin zu stellen. Ich wollte das Zeugs aber auch auf der Arbeit einbringen. 
Grundsätzlich, juristisch, wäre es als "Arbeitsauftrag" erstellt, auch nach Feierabend, gehört es 
der Firma. Punkt. Aber es war nicht als Arbeitsauftrag. Dann gab es mal ein "Gespäch" in das ich 
mit etwas Befürchtungen hineingegangen bin. Aber Nein, man wollte nur klären, dass nicht im 
Nachhinein jemand kommt (später mal mein Sohn wurde durchaus genannt, er war damals bekannt als 
'Werksstudent') und auf mein Zeugs in der Firmensoftware zeigt (später mal), und verlangt deshalb 
müsse die ganze Firmensoftware doch Open sein. Die Klärung war ganz einfach, eine Second License 
Declaration, die Software von mir bereitgestellt in der Firma ist in der Firmennutzung als Closed 
zu betrachten, klare Erklärung. Damit durfte ich meine Webseite weiter betreiben. Es lässt sich 
klären. Das war auch im ersten Jahrzehnt der 2000.


Es gibt zwei Gründe (aus meiner Sicht) für Closed Source:


a) Die Software vor der Nutzung der Konkurrenz schützen und damit der Konkurrenz erschweren, das 
Wasser bei den Produkten abzugraben.


b) Die Software ist, naja, nicht immer ganz clean und fertig programmiert, funktioniert aber 
nachweislich durch Tests. Auch ein Gutachter, dem man die Schwachstellen zeigt und erklärt, könnte 
(mit Auflagen) letztlich dazu nicken, Aber ein, sagen wir mal beliebiger "Schlauby" der 
Widersprüche aufzeigt, an die große Glocke hängt, damit Kunden verschreckt, (unnötigerweise...) 
usw, das sollte wohl nicht sein. Davor ist man geschützt wenn potentielle Schlauby-Typen nicht an 
der Software herankommen.


Aus b) kann durchaus folgen: Eine Erweiterung der Open Source, die zunächst erstmal Closed ist, 
könnte aus bestimmten Gründen sinnvoll sein. Im späteren Gang, etwa wenn sich ähnliche 
Anforderungen an Funktionalität als allgemeingültig herausstellen, und auch (siehe b) 
Schwachstellen mittlerweile bereinigt sind und alles genügend gut dokumentiert, also vielleicht 2 
Jahre nach Erstherausgabe, dann kann dieser Softwareteil nun auch als Open präsentiert werden.


Dies ist eine durchaus angebrachte Herangehensweise von kleinen oder mittleren Firmen, die auf der 
Basis von Open Source andere Firmen betreuen. Letztlich wird deren Arbeit meist bis immer der Open 
Source Community zur Verfügung gestellt, aber eben nicht im ersten Gang, aus besagten Gründen. Wenn 
man weiß, da kommt Ergebnis für Open Source, wird man auch mit dieser Firma gern zusammenarbeiten. 
Also die OpenSource Anforderungen miteinander besprechen teilen etc. Würde die Firma nur Open 
Source sich "klauen", gerade so Lizenzbestimmungen einhalten und alles eigene Closed machen, dann 
darf es da schon etwas ablehnende Haltung der OpenSource community geben.


Es ist also nicht trivial:


* Eine Firma betreut, streicht Profite ein, nutzt Open Source, macht Erweiterungen zunächst closed.


* Die Firma ist aber bereit, Teile oder das Ganze nach Erreichen eines allgemeinen soliden Standes 
der Open Source Community zu übergeben - Alles Gut!


* Die Firma möchte bestimmte Erweiterungen perdu nicht Open bereitstellen, dann kann man schonmal 
warum fragen und ablehnend diskutieren, - oder nachzuvollziehen ...


Es gibt auch noch ein weiteres Szenario:


* Ein Interessent an OpenSource, ein Mäzen, (Spender) mag Firma xy überhaupt nicht, will auch deren 
Open Source Teile nicht nutzen, unterstellt, diese wären ungünstig und überhaupt. Er befürwortet 
damit eine eigene Entwicklung der OpenSource community für ein Thema, was eigentlich von Firma xy 
so etwa ähnlich bereitgestellt wird.


Das ist also Lobbyismuseinflussnahme in bestimmte Richtungen, die bei freier demokratischer 
unabhängiger Diskussion so nicht stattfinden sollte. Oder doch - hat er teils recht? Hier gibt es 
also ein zu lösendes Problem, auf demokratische Weise (= miteinander reden). Und nicht kriegerisch, 
wie heute mehr und mehr üblich wird.


Solchen Tendenzen ist vorzubeugen.


Soweit meine allgemeinen Betrachtungen.


Mit freundlichen Grüßen, Dr. Hartmut Schorrig




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