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Hallo,

in einem Artikel, den ich im Original auf https://community.documentfoundation.org/t/from-the-machine-room-of-tdf-reviewing-monthly-accounting/13467 veröffentlicht habe, und den ich euch hier in deutscher Übersetzung zur Verfügung stelle, möchte ich euch Einblick geben, wie wir unsere monatliche Buchhaltung überprüfen.

Jetzt, wo die Buchhaltungsunterlagen für Dezember vom Steuerberater fertig gestellt worden sind, möchte ich euch erzählen, was die TDF immer machen muss, um die monatliche Buchhaltung abzuschließen.

Auch wenn das Team sich um alles kümmert, liegt die Verantwortung letztendlich beim Vorstand von TDF. Schaut euch auch mal unsere Satzung an, wo es in § 8 II heißt, dass die Aufgaben des Vorstands insbesondere sind „die Verwaltung des Stiftungsvermögens, die Verwendung der Stiftungsmittel, die Aufstellung eines Haushaltsplanes, die ordnungsgemäße Buchführung und Sammlung der Belege, die Aufstellung der Jahresrechnung und des Tätigkeitsberichtes“.

Fristen

Es gibt mehrere Dinge, die fristgebunden sind:

* Die Umsatzsteuererklärung muss bis zum 10. des übernächsten Monats eingereicht werden, d. h. die Umsatzsteuer für Dezember muss bis zum 10. Februar eingereicht werden. * Die übliche Frist ist der 10. des Folgemonats (also die Umsatzsteuer für Dezember bis zum 10. Januar). Um eine dauerhafte Verlängerung dieser Frist zu bekommen, die TDF gewährt wurde, müssen wir ein zuverlässiger Steuerzahler sein, alle Fristen einhalten und die 1/11-Sondervorauszahlung mit einer Frist bis zum 10. Februar leisten. * Jedes Quartal müssen wir eine Zusammenfassende Meldung für unsere Umsätze (hauptsächlich aus den App-Stores) erstellen, der bis zum 25. Tag nach Ende jedes Quartals fällig ist. * Die Bundesbank AWS Z4-Meldungen [https://community.documentfoundation.org/t/from-the-machine-room-of-tdf-federal-bank-awv-z4-filings/13150] sind bis zum 10. Tag nach Monatsende fällig, was zum Glück jetzt nur noch für Zahlungen über 50.000 € gilt, was die Situation für uns ziemlich entspannt. Wenn wir eine Meldung machen müssen, müssen wir nicht nur die beteiligten Länder identifizieren, sondern auch die Art der erbrachten Dienstleistung richtig angeben, was an sich schon eine Herausforderung sein kann.

Es gibt noch andere Fristen, die sich auf die monatliche Buchhaltung beziehen, z. B. die Künstlersoziallekasse bis zum 31. März [https://community.documentfoundation.org/t/from-the-machine-room-of-tdf-artist-social-security-ksk/13151] und natürlich die jährlichen Steuer- und Umsatzsteuererklärungen [https://community.documentfoundation.org/t/decision-approve-2022-and-2023-corporate-and-nonprofit-tax-declarations-approve-2023-vat-declaration/13013] sowie die vierjährliche Sozialversicherungsprüfungen [https://community.documentfoundation.org/t/decision-approve-social-security-questionnaire-authorize-eike-to-sign/12947].

Überprüfung der Kontenblätter

Wir bekommen die Kontenblätter mit Einzelposten im PDF-Format. Unsere Ausgaben und Projekte sind in Sachkonten erfasst, und wir überprüfen kurz, ob die Posten richtig zugeordnet wurden (z. B. ob eine Veranstaltung unter das Budget „Marketing” oder „Community” fällt). Das Dokument enthält auch Abschreibungen, z. B. für Hardware.

Normalerweise überprüfen wir nicht jedes einzelne Kontenblatt, da dort jede einzelne Spende aufgeführt ist, was Hunderte, wenn nicht Tausende von Seiten ergibt. Wie bereits erwähnt, haben wir manchmal etwa 45.000 Transaktionen pro Monat.

In der Regel sind in diesen Kontenblättern keine Korrekturen erforderlich, da der Buchhalter unsere Projekte kennt und im Zweifelsfall die Dinge vorher mit uns klärt. Wiederkehrende Zahlungen werden automatisch dem richtigen Konto zugeordnet.

Für die Statistik: Die zu prüfenden Dezember-Kontenblätter haben 95 Seiten.

Dabei entdeckt der Buchhalter immer wieder unberechtigte Abhebungen, die wir früher per Telefon bei der Bank zurückbuchen mussten, was wir jetzt aber bequem online machen können, was viel Zeit spart.

Außerdem bedeutet die Überprüfung der Kontenblätter, dass Einnahmen und Ausgaben korrekt unserem gemeinnützigen Teil und unserem geschäftlichen Teil zugeordnet werden (hauptsächlich Beiratsrechnungen, Merchandise-Verkäufe und App-Store-Verkäufe). Dies ist auch für die Umsatzsteuererklärung relevant (siehe unten).

Übersetzungen der Kontenblätter

Nachdem dieser Schritt abgeschlossen ist, werden die deutschen Kontenblätter ins Englische übersetzt, um auf unserem Wiki veröffentlicht zu werden [https://wiki.documentfoundation.org/TDF/Ledgers]. Dies ist ein teilweise manueller Prozess – die Übersetzungsstrings werden automatisch angewendet, aber einige Posten müssen aus Gründen der Vertraulichkeit redigiert (oder besser gesagt zusammengefasst) werden, insbesondere Gehälter und Vergütungen sowie bestimmte rechtliche Themen.

Was sind Umsatzsteuer und Reverse Charge?

Damit ist die Buchhaltung noch nicht abgeschlossen, denn der nächste Schritt ist die Überprüfung der monatlichen Umsatzsteuererklärungen. Die Umsatzsteuer kann zu einem teuren Problem werden [https://community.documentfoundation.org/t/information-about-successful-resolving-of-a-vat-audit-s-outcome/8896], und unsere Verkäufe in den App-Stores haben kürzlich eine weitere Umsatzsteuerprüfung ausgelöst, die wir erfolgreich bestanden haben.

Für den ideellen Bereich, der den Großteil unserer Aktivitäten abdeckt, muss TDF Umsatzsteuer zahlen, kann diese aber nicht zurückfordern. Für unseren wirtschaftlichen Geschäftsbetrieb, der hauptsächlich aus Beratungshonoraren, Merchandise-Verkäufen und App-Store-Verkäufen besteht, können wir die Umsatzsteuer wie jedes normale Unternehmen "ziehen". Wir dürfen aber unseren Geschäftsbereich nicht mit Einnahmen aus unserem gemeinnützigen Bereich finanzieren, da letzterer steuerfrei bzw. steuerbegünstigt ist.

Bei Rechnungen aus Deutschland fügt der Rechnungssteller normalerweise die Umsatzsteuer hinzu (die in Deutschland normalerweise 19 % beträgt), TDF zahlt den gesamten Betrag und der Rechnungssteller zahlt das Geld an sein Finanzamt. Bei Geschäften mit dem Ausland oder genauer gesagt mit jemandem, der keine deutsche Umsatzsteuer-Identifikationsnummer hat, gilt das Prinzip der Umkehr der Steuerschuldnerschaft (Reverse Charge). TDF bekommt eine Netto-Rechnung und muss die entsprechende Umsatzsteuer in Deutschland zahlen und diese Berechnung selbst machen. Leider gibt es einige Ausnahmen, z. B.:

* Bankdienstleistungen sind in der Regel nicht umsatzsteuerpflichtig, Zahlungsabwickler hingegen schon. * Bankgebühren bei Zahlungen außerhalb der Eurozone sind nicht umsatzsteuerpflichtig, der Rechnungsbetrag ohne die Gebühren kann jedoch umsatzsteuerpflichtig sein. * Mitgliedsbeiträge unterliegen in der Regel nicht dem Reverse-Charge-Verfahren. * Restaurants, Hotels, Veranstaltungen und andere grundstücksbezogene Dienstleistungen unterliegen in der Regel nicht dem Reverse-Charge-Verfahren. * Reisekostenerstattungen an ehrenamtliche Community-Mitglieder unterliegen in der Regel nicht der Umsatzsteuer.

Auch Vertragspartner, die nur kleine Unternehmen sind und/oder keine Umsatzsteuer-Identifikationsnummer haben, können Dienstleistungen erbringen, die der Reverse-Charge-Regelung unterliegen.

Hinweis: Die obige Liste ist nicht abschließend und stellt keine rechtliche Aussage oder Rechtsberatung dar. Die Dinge ändern sich hier schnell, und die Vorschriften können je nach Land unterschiedlich sein. Frag immer deinen Steuerberater nach den geltenden Vorschriften.

Überprüfung der Umsatzsteuererklärung

Jeden Monat erstellt der Buchhalter eine Tabelle mit den Zahlungen, die der Umsatzsteuer unterliegen. Zuerst checken wir diese Liste, indem wir unsere Bankkonten und Kreditkartenabrechnungen durchgehen und die Transaktionen mit Hilfe von Filtern mit der Tabelle vergleichen. Es hat noch nie etwas gefehlt, unser Buchhalter arbeitet sehr sorgfältig, aber wir sollten trotzdem noch mal prüfen, ob alles in Ordnung ist, bevor TDF die Umsatzsteuer-Voranmeldung einreicht.

In einem zweiten Schritt müssen wir prüfen, woher die Rechnung kommt, insbesondere welche Umsatzsteuer-Identifikationsnummer verwendet wurde. Ein Unternehmen in Polen, Italien oder Frankreich kann immer noch seine deutsche Umsatzsteuer-Identifikationsnummer haben und verwenden. In diesem Fall gilt die Umkehrung der Steuerschuldnerschaft wahrscheinlich nicht, da die Rechnungsstellung als aus Deutschland stammend behandelt wird.

Die Herkunft der Rechnung ist auch wichtig, um die richtige Kategorie zu kennzeichnen. Technisch gesehen scheint die Umkehrung der Steuerschuldnerschaft nur innerhalb der Europäischen Union zu existieren. Andere Länder haben ein ähnliches Prinzip, aber es heißt anders und muss in einer anderen Kategorie gemeldet werden.

Als Drittes müssen wir alle Bankgebühren vom bezahlten Betrag abziehen. Die sind normalerweise in der Buchung aufgeführt. Meistens ist nur der Betrag ohne Gebühren umsatzsteuerpflichtig. Der Unterschied pro Transaktion kann von ein paar Cent (US-Dollar bei Kreditkarten) bis zu 40 € (Banküberweisung in ein Nicht-Euro-Land) reichen. Die Gebühren unterscheiden sich übrigens in der Regel nicht wesentlich zwischen den verschiedenen Zahlungsdiensten, sie werden nur unterschiedlich zusammengefasst, z. B. in Währungsumrechnungs- oder Transaktionsgebühren.

Unser Zahlungsdienstleister für Kreditkarten ist ein Sonderfall, da er seine umsatzsteuerpflichtigen Gebühren von den monatlichen Zahlungen abzieht, sodass wir den Betrag anhand der Rechnung ermitteln müssen, die er uns jeden Monat schickt.

Auch die "Employment Agency", die wir für die Einstellung von Mitarbeitern im Ausland nutzen [https://community.documentfoundation.org/t/from-the-machine-room-of-tdf-international-hirings/13360], erfordert etwas manuelle Arbeit, da nicht jeder Mitarbeiter in einer einzelnen Position aufgeführt ist, sondern die Transaktionen gebündelt sind und anhand der Rechnung, die wir erhalten, identifiziert werden müssen.

Die Umsatzsteuererklärung für Dezember, die wir gerade prüfen, hat 36 Zeilen in fünf Kategorien und einen vorläufigen Betrag von etwa 10.000 €. Zu guter Letzt können wir von der Umsatzsteuer-Voranmeldung für Dezember die 1/11-Sondervorauszahlung abziehen, die wir Anfang des Jahres geleistet haben, wodurch sich der Betrag, den wir jetzt zahlen müssen, effektiv verringert.

Gute Nachrichten zum Schluss

Wenn du es bis hierher geschafft hast, möchte ich dich mit einer guten Nachricht belohnen. Das vergangene Jahr war wahrscheinlich das beste Jahr für TDF in Bezug auf Spenden. Nach vorläufigen Zahlen haben wir insgesamt 1.967.680,88 € eingenommen, verglichen mit 1.391.189,00 € im Jahr 2024 und 1.302.956,10 € im Jahr 2023.

Allein im November kamen etwa 200.000 € und im Dezember 300.000 € an Spenden rein.

Vielen Dank an alle unsere Spender und Unterstützer!

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