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[de-discuss] Apache und TDF, ein subjektiver Vergleich


Hallo,

hab gestern aus Neugier (oder was mich auch immer getrieben hat) mal die
ooodev-Liste bei Apache ein wenig ausgiebiger "quer gelesen".

Ich weiß nicht, wie ich es sagen soll:

- Ich war/bin einerseits von der Professionalität der Projektorganisation
ziemlich beeindruckt. Gleichzeitig scheint dort aber auch ein ziemlich ...
irgendwie "restriktiver" Wind zu wehen (jedenfalls nach meinem Emfpinden).

- für mich sieht es so aus, dass sich dort beeindruckend viele
"professionelle", langjährige OOo-Entwickler einfinden bzw. eingefunden haben.

- unser Projekt kommt mir dagegen - wie soll ich sagen - auf eine Weise
"klein" vor, fast schon "famliär", "intim", es wirkt auch - jedenfalls nach
meinem Eindruck - viel weniger "professionell durchorganisiert", sondern
scheint viel mehr auf der Initiative Einzelner zu beruhen.

Insgesamt weiß ich noch nicht so recht, welche Schlüsse ich daraus ziehen
soll.

Rein gefühlsmäßig hätte ich gerne mehr von dieser dort auf den ersten Blick
wahrgenommenen bzw. "gefühlten Professionalität" auch bei uns hier, ohne aber
dafür die Freiheit, die ich in unserem Projekt empfinde, aufzugeben. "Dort"
(bei Apache) scheint - jedenfalls in meiner Wahrnehmung - die Freiheit vor
allem in der "Verwertungsfreiheit" der Software gesehen zu werden, also quasi
"downstream", die persönliche Freiheit der Beteiligten scheint hauptsächlich
darin zu bestehen, entweder mitzumachen, sich also den Regeln anzupassen, oder
die Klappe zu halten bzw. zu gehen.

Bei TDF scheint dagegen die Freiheit des Individuums an höchster Stelle zu
stehen. Jedenfalls fühle ich mich da außerordentlich "frei" im Sinne
persönlicher Freiheit. Auch wird hier bei der "Verwertung" der geistigen
Produkte besser darauf geachtet, dass "alle" was davon haben (wobei "alle"
nicht "möglichst viele" sind, sondern "die Allgemeinheit").

So weit zu den Gefühlen.

Jetzt noch etwas zur Projektorganisation.

Für mich sieht es so aus, dass dort Firmen (im AOOo-Fall wohl hautpsächlich
IBM und RedOffice (?)) sich sehr gut aufgehoben fühlen können: Alles, was an
Arbeit hineingesteckt wird, kann zu 100% "verwertet" werden. Um Rechte braucht
man sich keine Sorgen zu machen. Es ist also ein sehr "zuverlässiges", aus
Firmensicht "nachhaltiges" Modell. Jedenfalls macht es auf mich diesen
Eindruck. Wenn ich Consultant wäre, müsste ich einer (großen) Firma so gesehen
eigentlich raten, zu Apache zu gehen.

Insgesamt macht das Apache-Modell auf mich also einen "soliden",
"nachhaltigen" Eindruck. Dort wird "professionell" gehandelt, ein Projekt
hängt weit weniger von der Initiative Einzelner ab, sondern kann auf bewährte
vorhandene Strukturen zurück greifen. Es entsteht das Gefühl von durchdachter,
effizinter Organisation, Kohärenz und Stimmigkeit. Insgesamt bin ich von
diesem Projekt sehr beeindruckt, auch wenn - wie gesagt - "die Freiheit", bzw.
der einzelne Mensch, sich dort nicht so einen hohen Wert genießt.

Was können wir daraus lernen?

Also, rein theoretisch zumindest, würde ich mir - wie gesagt - bei uns "mehr
Professionalität" wünschen. Dabei meine ich nicht die Qualität der Arbeit
Einzelner hier, ganz im Gegenteil. Es geht mir mehr darum, diese Qualität
sozusagen "nachhaltiger im Projekt zu verankern". Wie das gehen könnte, weiß
ich selbst nicht genau, ich äußere daher hier erst mal nur ein Bedürfnis und
erste Ideen bzw. Ansätze.

Die Stiftungsgründung ist ein wichtiger Meilenstein, keine Frage. Aber sie
reicht nicht unbedingt.

Eine weitere Überlegung wäre, wie können wir das, was Einzelne hier "pro bono"
- etwa aus Idealismus - machen, (etliche zwar auch von einer bezahlten Stelle
aus, aber es wirkt - jedenfalls auf mich - trotzdem nicht unbedingt
nachhaltig, jedenfalls "irgendwie nicht nachhaltig genug"), wie können wir
diese Arbeit besser im Projekt "etablieren", für ihre Wertschätzung,
Fortführung, Verankerung sorgen?

Können wir z.B. die Meritokratie irgendwie auch stärker materiell absichern?

Nehmen wir doch als Beispiel die Box. Die Box-Bauer haben sich mehrfach über
ihre Arbeitsbelastung geäußert und nach Mitstreitern gefragt. Bekommt die Box
eigentlich vom Projekt Zuschüsse? Kann sie von ihren eigenen Box-Verkäufen
leben? Wiviel von den verkauften Boxen fließen ins Projekt und wieviel
"genehmigen" sich die Box-Bauer für sich selbst, um ihre Arbeit "nachhaltiger"
(also auch materiell) im Projekt abzusichern? Wäre es z.B. nachhaltiger, wenn
es eine mehr oder weniger "fixe" Regelung gäbe, z.B. 80/20 oder 90/10?

Oder auch der Support auf den Listen. Eine reine pro-bono-Support-Organisation
ist ja schön und gut - aber in meinen Augen nicht unbedingt auch nachhaltig
genug. Irgendwie würde ich gerne "guten" Leuten (etwa: Stefan Weigel, Regina
Henschel, ach, es gab/gibt sehr viele ausgesprochen "gute" - jedenfalls in
meiner Wahrnehmung - Leute hier), auch strukturell/materiell einen Anreiz
bieten, sich weiter / noch mehr im Projekt zu engagieren.

Ich weiß nicht, ob das jetzt nicht zu chaotisch rüber kommt, es sind halt
spontane "erste Gedanken". Aber ich hoffe, dass wengistens die Idee deutlich
wird: Meritokratie nicht nur auf der ideellen Ebene zu honorieren, sondern
auch auf der materiellen, so dass das Gesamtprojekt stabiler, langfristiger,
nachhaltiger wird, der Anreiz "zu bleiben", "weiter zu machen", oder gar "sich
zu steigern" nicht nur ideell ist, sondern auch mit ganz konrkreten
materiellen und strukturellen Maßnahmen gefördert wird.

So weit von mir das Wort zum Wochenende. Sorry, dass es so lang geworden ist,
es ist mir relativ schwer gefallen, kurze & knackige passende Worte zu finden.
Dafür ist es ziemlich spontan :-)
Ich hätte das Ganze vielleicht besser in einem Blogbeitrag untergebracht, aber
ich selber habe kein Blog, und ich wüsste nicht, in welchen öffentlichen Blog
so eine Betrachtung hingepasst hätte.

Gruß Nino

--
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